Depression nach Weltreise: Ursachen, Symptome und Behandlungsansätze

Viele Menschen leiden unter psychischen Belastungen und Krankheiten wie Depression, doch fehlt es oft an passenden Angeboten, Verständnis und Mut zum offenen Gespräch. Dr. Christa Rados ist seit 40 Jahren Psychiaterin und kämpft für einen entstigmatisierten Umgang mit dem Thema Mental Health.

Ursachen und Auslöser von Depressionen

Es ist schwer, eindeutig zu sagen, ob psychische Erkrankungen tatsächlich stark zunehmen oder ob sich heute einfach mehr Menschen trauen, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Die gesellschaftliche Offenheit im Umgang mit psychischen Problemen ist gewachsen, und das senkt die Hemmschwelle, über eigene Belastungen zu sprechen oder sich behandeln zu lassen. Unter anderem durch die mediale Berichterstattung wissen wir besser, wie sich eine Depression äußert, und können uns gezielt Hilfe suchen.

Depression, eine der häufigsten psychischen Erkrankungen, tritt in verschiedenen Unterformen auf: Da gibt es die mit erkennbaren Auslösern, etwa ein Burn-out, aber auch solche, die scheinbar aus dem Nichts kommen. Dann kennen wir spezifische Varianten wie die postpartale Depression, die im ersten Jahr nach der Geburt auftreten kann - von der natürlich Frauen betroffen sind.

Einsamkeit als Risikofaktor

Gerade bei den Jungen wird Einsamkeit aktuell als besonders gravierendes Problem empfunden. Einsamkeit ist ein ernst zu nehmender Risikofaktor für psychische Erkrankungen, sogar vergleichbar mit schlechter Ernährung oder Bewegungsmangel. Die meisten Menschen sind soziale Wesen und brauchen zwischenmenschliche Nähe. Und obwohl es heute mehr Events und Orte der Begegnung gibt, fühlen sich viele isoliert - zum Beispiel Ältere, die aus gesundheitlichen Gründen nicht mobil sind, oder Menschen mit wenig finanziellen Mitteln, die sich Events oder Verabredungen zum Essen nicht leisten können.

Die klassische Großfamilie gibt es kaum noch, Stammtische oder ähnliche Treffen verschwinden, Kinder verbringen viel Zeit allein beim Gaming und Individualisierung wird gesellschaftlich gefördert. Das ist alles per se nicht negativ, kann aber zur Vereinsamung führen.

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Symptome und Anzeichen einer Depression

Denn die Symptome dafür sind nicht immer sozialer Rückzug, Antriebslosigkeit, traurige Stimmung oder ein Gefühl von Leere. Frauen erkranken laut Statistik häufiger, aber Männer fallen oft durchs Raster.

Grundsätzlich sind bei Depressionen drei Faktoren entscheidend: Interessenverlust, Stimmungstief, Freudlosigkeit. Aber man muss differenzieren, denn Depression äußert sich je nach Alter der Kinder und Jugendlichen unterschiedlich. "Die kindliche Depression bei Kindern bis zwölf ist wesentlich versteckter als die bei Teenagern", erklärt Böge. Bei Jüngeren kommt es häufiger zu körperlichen Symptomen wie Appetitlosigkeit, Schlafstörungen, Bauchschmerzen, Lustlosigkeit oder Stimmungsschwankungen wie Reizbarkeit und Aggressivität.

Oft kommt es auch zu einem deutlichen Leistungsabfall in der Schule. "Suizidalität im Jugendalter ist anders als bei Erwachsenen, impulsiver, momentbezogen. Das bedeutet vereinfacht gesagt, dass Jugendliche an einem Tag suizidal sind und am nächsten Tag die Weltreise planen", erklärt die Expertin.

Depressionen nach einer Weltreise

Wie du vielleicht bemerkt hast, war es die letzten Wochen verdammt ruhig auf meinem Blog. Ich habe lange nichts mehr gepostet. Du fragst dich jetzt vielleicht wieso? Ehrlich gesagt hatte ich einfach nicht die Kraft dafür. In der letzten Zeit war es schon anstrengend genug für mich, morgens aus dem Bett zu kommen. Und dann hätte ich noch schreiben sollen? Es ging nicht. Nicht nur fiel mir das Aufstehen schwer, ich haderte mit jeder Entscheidung, die ich bisher getroffen hatte und zog alles in Zweifel. Ich war emotional ausgelaugt, müde und fühlte mich einfach nur noch innerlich leer. Kaum ein Tag verging, an dem ich mich nicht in den Schlaf weinte… meine Depression hatte mich fest im Griff.

Dabei sollte ich doch glücklich sein. Es gibt eigentlich keinen Grund für mich traurig zu sein. Ich bin jetzt seit 8 Monaten in Thailand, ich liebe es hier und normalerweise liebe ich es zu schreiben (auch wenn es von Zeit zu Zeit anstrengend sein kann). Aber in den letzten Wochen habe ich ganz einfach den Blick dafür verloren. Ich bin in eine negative Abwärtsspirale reingerutscht…

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Ich habe lange überlegt, ob ich diesen Beitrag hier schreiben soll… Denn er ist wahnsinnig persönlich. Doch nach langem Hin und Her habe ich mich dafür entschieden. Und das aus einem ganz einfachen Grund: über dieses Thema sollte viel mehr gesprochen werden. Denn jeder der länger auf Reisen ist, hat solche Phasen. Oder du reist, obwohl du zu solchen Phasen tendierst und irgendwann holen sie dich ein.

Denn egal wo du dich befindest, egal wie gut es dir in einem Moment geht oder wie gut es dir gehen sollte, eine Depression kannst du überall haben. Und es ist keine Schande. Es bedeutet nicht, dass du schwach bist.

Die Rolle von Dopamin und Serotonin

Das Glückshormon Dopamin ist dabei ein wichtiger Motivator für Verlangen und Belohnungserwartung. Es wird ausgeschüttet, wenn wir AKTIV verändern. Dopamin ist der Botenstoff der Belohnungserwartung: Es geht z. B. nicht um das Essen von Schokolade selbst, sondern um die Erwartung dessen, was daran Freude bereiten könnte. Das generiert das tiefe Verlangen nach dem köstlichen Süß. Dasselbe biologische Prinzip begegnet uns auch im Job.

Menschen mit Depressionen haben einen sehr niedrigen Serotoninspiegel. Das schädigt gespeicherte Lern- und Gedächtnisprozesse. Bei Verliebten und Glücklichen hingegen findet man sehr hohe Serotoninkonzentrationen.

Umgang mit Depressionen und Hilfsangebote

Wählen Sie einen passenden Moment, nicht mitten in einer akuten Stresssituation. Beschreiben Sie, was Ihnen aufgefallen ist, ohne zu bewerten, und sagen Sie ehrlich, dass Sie sich Sorgen machen. Die Botschaft sollte sein: „Ich bin da und ich möchte helfen.“ Es kann gut sein, dass die betroffene Person abblockt oder alles abstreitet. Bleiben Sie trotzdem dran, ohne zu drängen. Manchmal dauert es, bis jemand Hilfe annehmen kann.

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Am wichtigsten sei, das Thema möglichst direkt anzusprechen, rät die Expertin: "Je direkter, desto besser." Denn üblicherweise sprechen betroffene Kinder und Jugendliche das Problem nicht von selbst an bzw. können es möglicherweise gar nicht benennen. Allerdings trauen sich häufig ihnen nahestehende Menschen nicht, die Betroffenen anzusprechen, haben Angst, etwas Falsches zu sagen. "Aber genau dann bleiben die Kinder und Jugendlichen mit ihrer Problematik alleine. Depression ist die Abwesenheit der anderen, sagt man in Fachkreisen", erklärt Böge.

Am besten sollte man die Symptome, die man beobachtet in einem ruhigen Moment ansprechen, etwa mit: "Mir ist aufgefallen, du bist in letzter Zeit stiller und viel mehr in deinem Zimmer. Ich habe dich auch schon länger nicht mehr mit deinen Freundinnen gesehen." Es gehe erst einmal darum anzubieten, dass man zuhört und einfach nur da ist.

Wenn Jugendliche auf den Gesprächsversuch mit Abwehr reagiert, sollte man trotzdem dranbleiben, "vielleicht nicht unmittelbar, aber das Thema am nächsten Tag noch einmal aufbringen". Kleine Hinweise jeden Tag seien jedenfalls förderlicher, als Druck auszuüben. Denn Druck führe meist zu maximalem Rückzug oder gar zu Suizidalität.

Selbsthilfe und professionelle Unterstützung

Hilfe von außen muss man annehmen können. Wenn introvertierte Menschen sich noch mehr zurückziehen, ist auch professionelle Unterstützung schwierig. Aufgeschlossenen fällt die aktive Mitarbeit an Lösungen leichter. Tiere, als treue Begleiter, schaffen es immer wieder, mit bedingungsloser Akzeptanz und Lebensfreude, depressive Menschen aus ihrer Lethargie herauszulocken. Egal ob Meerschweinchen, Kaninchen, Katze oder Hund. Dabei geht es um Berührung, Wärme, Leben zu spüren, Kommunikation über die Sinne. Nicht darum, die Pflege und Verantwortung für das Tier zu übernehmen.

Selbsthilfe: Der Steyrer Verein pro homine (“Für den Menschen“) berät und begleitet rat- und hilfesuchende Personen. Speziell für depressive Menschen und deren Angehörige besteht das Angebot zur Teilnahme an einer Selbsthilfegruppe, an gemeinsamen Freizeitaktivitäten, Vorträgen und Seminaren. Jedes Treffen wird von einem fachlich qualifizierten Gesprächsmoderator begleitet.

Tipps zur Bewältigung von Depressionen auf Reisen

Während einer Depression gibt es einige Dinge, die du tun kannst, um diese abzumildern oder aus dieser herauszukommen. Doch es geht nicht nur um die Dinge, die du während dieser unternehmen kannst, denn es gibt auch einiges, dass du vorher bzw. nachher tun kannst. Um es vielleicht gar nicht erst so weit kommen zu lassen bzw. danach die Batterien wieder aufzuladen.

Vor der Depression:

  • Behalte auch während dem Reisen eine Routine bei
  • Tue Dinge, die du auch zuhause machen würdest
  • Reise langsam - bleibe länger an einem Ort
  • Nimm dir Zeit für dich selbst und lass es dir auch mal gut gehen

Während der Depression:

  • Hör auf, dich selbst unter Druck zu setzen
  • Versuche Dinge zu tun, die du eigentlich liebst
  • Versuche dich abzulenken
  • Telefoniere mit deinen Freunden und Familie
  • Versuche dich auf die positiven Dinge während des Tages zu konzentrieren

Nach der Depression:

  • Gehe es langsam an
  • Finde deine Auslöser

Reisen ist nicht immer schön. Reisen hat nicht immer nur gute Seiten. Du kannst vor deinen inneren Dämonen oder Problemen nicht so einfach davonlaufen. Irgendwann holen sie dich ein. Wichtig ist, dass du nicht vergisst, dass es auch wieder bessere Zeiten geben wird. Dich versuchst auf die Dinge zu konzentrieren, die dir früher Freude bereitet haben und die dir wichtig sind. Auch wenn es sich in diesem Moment nicht ganz so anfühlt.

Die Rolle der Tiefenpsychologie

Der Grundkonflikt der Nähe spiegelt das Bedürfnis nach emotionaler Bindung wider, welches tief in der menschlichen Psyche verankert ist. Theorien, die sich mit frühen Bindungserfahrungen und deren Einfluss auf die spätere emotionale Entwicklung beschäftigen, zeigen, dass sichere Bindungen in der frühen Kindheit entscheidend für ein gesundes Beziehungsleben sind. Das sanfte Schaukeln im Kreis symbolisiert eine Möglichkeit, unbewusste Ängste und Sehnsüchte nach Nähe und Verbindung zu bearbeiten.

In tiefenpsychologischen Konzepten wird deutlich, dass emotionale Leere oft aus unzureichenden frühkindlichen Bindungserfahrungen resultiert. Durch das spielerische Erforschen von Berührung und Nähe können Menschen lernen, emotionale Blockaden zu erkennen und zu lösen. Die Berührung aktiviert nicht nur Erinnerungen und Gefühle, sondern ermöglicht auch eine tiefere emotionale Verbindung zu sich selbst und zu anderen.

Der kraftvolle Tanz und das Stampfen symbolisieren den Ausdruck von Selbstbehauptung und Eigenständigkeit. Durch das Spiel mit dem Körper und der Erde können Individuen ihre eigene Kraft neu entdecken und erleben, wie wichtig es ist, eigene Grenzen zu setzen und sich selbst zu behaupten.

Durch das unstrukturierte, spontane Tanzen kann das Unbewusste neue Aspekte des Selbst entdecken und sich von alten Identitätsmustern lösen. Das spielerische Tanzen bietet eine wertvolle Möglichkeit, unbewusste Prozesse und innere Konflikte auf eine sichere und kreative Weise zu bearbeiten.

Wichtige Anlaufstellen und Notrufnummern

  • Psychische Krisen? Telefonseelsorge: anonym, österreichweit. 142 - täglich, rund um die Uhr.
  • Rat auf Draht: Notrufnummer für Kinder, Jugendliche und deren Angehörige. 147 - täglich, rund um die Uhr.
  • Psychosoziale Notdienste gibt es für jedes Bundesland. 01 4000 53000 - täglich, von 8 bis 20 Uhr.
  • Befrienders Worldwide: Internationale Plattform mit Hilfe-Hotlines in über 30 Ländern.

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